Was ist Autismus?

Autismus hat viele „Gesichter“

Diese tiefgreifende Entwicklungsstörung zeigt sich in einer großen Bandbreite von Erscheinungsformen, weshalb man heute zumeist von Autismus-Spektrum-Störungen spricht, deren Auswirkungen bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben. Man unterscheidet im Wesentlichen drei Kategorien:

 

Die Entwicklung der Kinder mit Autismus ist von Beginn an verändert. Sie sind weniger an anderen Menschen und dafür mehr an Gegenständen oder bestimmten Themen interessiert. Häufig sind die Eltern schon früh besorgt, benötigen jedoch einige Zeit, um die richtige Diagnose für ihr Kind zu erhalten. Kinder mit frühkindlichem Autismus fallen meist schon im Kindergartenalter durch Probleme beim Sprache erlernen auf und sind häufig in ihrer geistigen Entwicklung verzögert. Dennoch zeigen sie manchmal erstaunliche Teilleistungen auf einzelnen Gebieten (zum Beispiel Gedächtnisleistungen, räumliches Vorstellungsvermögen, Musik etc.). Kinder mit hochfunktionalem Autismus (Asperger-Syndrom) fallen zwar auch schon in den ersten Lebensjahren durch mangelndes Interesse an anderen Kindern auf, trotzdem wird die Diagnose oft erst im Schulkindalter gestellt, da ihre unauffällige Sprach- und Intelligenzentwicklung ihre gravierenden sozialen Probleme häufig verdeckt. Oft verbirgt sich die Asperger-Störung jahrelang hinter einer AD(H)S-Diagnose, wegen der sich die Betroffenen schon lange in Behandlung befinden. Bei Kindern mit atypischem Autismus sind in der Regel nicht alle Symptombereiche des Autismus voll ausgebildet und die Diagnosestellung ist dadurch häufig erschwert. Bei allen Autismustypen kommen schwerwiegende Wahrnehmungsverarbeitungsstörungen vor (z.B. ein große Geräuschempfindlichkeit), die den Betroffenen im Alltag große Probleme bereiten.

Die Entwicklung der betroffenen Kinder und Jugendlichen ist gravierend beeinträchtigt und stellt die Bezugspersonen vor große Herausforderungen. Oft leiden die Eltern am meisten unter den Schwierigkeiten ihres Kindes. Sie nehmen die Isolation des Kindes deutlich war, das sich scheinbar selbst genügt und sich in Wiederholungen verliert.

Die Auswirkungen der Störungen behindern auf vielfältige Weise die Beziehungen zur Umwelt und die Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft. Es sind in unterschiedlichem Maße kognitive, sprachliche, motorische, emotionale und interaktionale Fähigkeiten beeinträchtigt. Deshalb benötigt die große Mehrzahl der Betroffenen eine autismusspezifische Förderung, um die Teilhabebeeinträchtigungen weit möglichst ausgleichen zu können. Die meist schwierige schulische Integration bereitet den Eltern oft die größten Sorgen. Die Kinder und Jugendlichen laufen Gefahr zu Außenseitern und Mobbingopfern zu werden.

Viele der Kinder mit Autismus verfügen dabei über ein beeindruckendes Spezialwissen in Bezug auf besondere Lieblingsthemen. Dabei fixieren sie sich im Gespräch stark auf bestimmte Inhalte (z.B. Eisenbahnen, Computer oder Lieblingsfiguren aus dem Fernsehen), ohne auf das Interesse des Gegenübers zu achten. In Einzelfällen zeichnet sich ebenfalls eine Hochbegabung ab, die ebenfalls einer besonderen Förderung bedarf.

* Es sei kurz angemerkt, dass wir bei der 2. Kategorie die Bezeichnung hochfunktionaler Autismus vorziehen. Im Jahr 2018 ist bekannt geworden, dass es viele Hinweise dafür gibt, dass der Syndrom-Namensgeber, Hans Asperger, in unheilvoller Weise in die Geschichte der Ermordung behinderter Kinder im Dritten Reich verwickelt zu sein scheint (Edith Sheffer: Aspergers Kinder, 2018).