Geschichte des Vereins

 

Der Autismus Landesverband Hamburg e.V. (früher Verein zur Förderung autistischer Kinder e.V.) geht aus einer Selbsthilfeinitiative betroffener Eltern hervor, die zu Beginn der 1970er-Jahre zunächst keinen Ansprechpartner für ihre besonderen Erziehungsprobleme fand. Diese Gruppe wuchs schnell auf 22 Eltern an. Mit Professorin Hedwig Wallis, der damaligen Leiterin der psychosomatischen Abteilung der Universitätsklinik in Hamburg-Eppendorf, gewannen sie eine kompetente, entgegenkommende und sehr kooperative Unterstützerin. Sie beriet die Eltern hinsichtlich des Umgangs mit der autistischen Störung ihrer Kinder und stellte ihnen für ihre Treffen einen kleinen Hörsaal zur Verfügung. Diese Selbsthilfegruppe gründete 1972 den „Verein zur Förderung autistischer Kinder e.V.“ (zu dessen Gründungsmitgliedern Familie Blohm und Elvira Crummenerl gehörten) und im gleichen Jahr ein Therapiezentrum. Damit ist der Hamburger Verein, mit seinem Therapiezentrum die älteste Förderstelle für autistische Kinder in Deutschland. Verein und Therapiezentrum sind seitdem in ihrer Entwicklung eng miteinander verbunden.

Zu Beginn musste die Therapie von den Eltern noch – anfangs ganz, später teils – selbst bezahlt werden. Auf der Grundlage (des bis Ende 2004 geltenden) Bundessozialhilfegesetzes (derzeit SGB XII beziehungsweise KJHG, ab 2020 Bundesteilhabegesetz). Auch räumlich galt es zunächst zu improvisieren, denn es stand nur ein Raum in einer Etagenwohnung in der Sierichstraße zur Verfügung. Schließlich ergab sich die Möglichkeit, einige (später alle) Räume eines Hauses mit Garten am Rathenaukanal in der Bebelallee im Stadtteil Alsterdorf zu nutzen, die die Familie Blohm dem Verein zur Miete anbot. Im gleichen Haus gründete auch die Geschäftsstelle des Bundesverbands autismus Deutschland ihre Geschäftsstelle. Das repräsentative Äußere des villenartigen Hauses förderte die Bekanntheit der Einrichtung. In den teils sehr verwinkelten Räumlichkeiten im Inneren ließen sich die verschiedenen therapeutischen Aktivitätsfelder gut aufteilen. Der Garten und die Möglichkeit, dort auch ein Tretboot und ein Kanu zu Therapiezwecken vorzuhalten, bereicherten die therapeutischen Settings. Zahlreiche historische Relikte des Hauses forderten jedoch auch immer wieder das Improvisationstalent der Mitarbeitenden.

Die Leitung der neu eröffneten Therapieeinrichtung übertrug der Vereinsvorstand dem gerade diplomierten Psychologen Bernd Miller. Seine engagierte Arbeit machte die Einrichtung bald bekannt, umgangssprachlich nannte man sie das “Miller-Institut”. Der Verein und das Therapiezentrum wurden zur Anlaufstelle für Eltern autistischer Kinder in Hamburg und Umgebung. Anfangs wurde – wie es der Zeit entsprach – rein verhaltenstherapeutisch gearbeitet. Das änderte sich allmählich, indem man die Bedeutung der Interaktionsförderung für die Autismustherapie erkannte. Von 1986 bis 2008 wurde das Autismus Institut von dem Diplom-Psychologen Hartmut Janetzke geleitet, der Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Bundverbands wurde und unsere Einrichtung bei den Bundestagungen vertrat. Er engagierte sich stark in der Elternberatung und begründete die “Differenzielle Beziehungstherapie”. Autismus wurde in diesem Zeitraum noch seltener diagnostiziert, so dass das therapeutische Team mit einem Standort und 6 Therapeuten noch recht klein war. Erfreulicherweise ließen sich immer wieder Eltern finden, die durch ihre ehrenamtliche Vorstandsarbeit zum Erhalt und zur Fortentwicklung des Vereins beigetragen haben.

Seit 2009 leitet Diplom-Psychologin Barbara Rittmann das Hamburger Autismus Institut, die voher ca. 20 Jahre als Therapeutin in der Einrichtung tätig war. Unter ihrer Gesamtleitung und Geschäftsführung ist die Einrichtung stark gewachsen und die Therapie- und Beratungsangebote wurden deutlich erweitert. Sie erarbeitete für das therapeutische Vorgehen das Hamburger Multimodale Modell der Autismustherapie, das die relevanten therapeutischen Methoden in einem Gesamtkonzept zusammenfasst.

Es folgten diverse Veröffentlichungen, unter anderem 2017 das Buch “Autismus-Therapie in der Praxis” (Kohlhammer). Sie ist Gründungsmitglied der Fachgruppe Autismustherapie im Bundesverband autismus Deutschland und repräsentiert das Hamburger Autismus Institut auf Kongressen, Tagungen und durch zahlreiche Fortbildungen. Sie gründete das Hamburger Fortbildungs-Programm AUTPUT (Autismusfortbildungen – Praxis und Theorie).

Unter ihrer Gesamtleitung und Geschäftsführung ist die Einrichtung stark gewachsen und die Therapie- und Beratungsangebote wurden deutlich erweitert. Der wachsende Bedarf nach Autismus-Therapie und der Wunsch für die Eltern die Anfahrtswege zu verkürzen, führte zur Eröffnung weiterer Standorte (2011 Lüneburg, 2013 HH-Langenhorn, 2015 HH-Altona, 2018 HH-Wandsbek). In diesem Zuge wurde auch die Leitungsebene durch eine kaufmännische Leitung und Standortleitungen erweitert.

Auf die “Keimzelle” unserer Einrichtung, das Therapiezentrum in der Bebelallee, kam 2016 eine große Veränderung zu. Da uns nach einer aufwendigen Sanierung durch den Vermieter die Villa nicht mehr zur Verfügung stand, zogen wir mit der Therapie-, Schulungs- und Verwaltungszentrale in Alsterdorf in modernere Räume am Alsterdorfer Markt um. Diese Räumlichkeiten entsprechen unseren professionellen Bedarfen in sehr hohem Maße und die unmittelbare Nähe der Stiftung Alsterdorf gibt uns die Möglichkeit, unsere gemeinsame Kooperation in idealer Weise zu vertiefen.

Durch die engagierte Vorstandsarbeit modernisierte sich auch dieses Gremium kontinuierlich. Unter dem Vorsitz von Michael Detmer wurde eine neue Vereinssatzung erarbeitet. Er hielt ebenfalls im Namen unseres Vereins eine Rede vor über 1.000 Teilnehmern bei der 13. Bundestagung von autismus Deutschland 2011 in Hamburg.

Der aktuelle Vorstand mit Ute Kellermann, Stefan Kupffer und Herbert Stockhecke und den Beisitzerinnen Ilse Heile und Bettina Puschmann engagiert sich vielseitig. Immer wieder konnten wir von einem besonderen Fachwissen einzelner Vorstandsmitglieder profitieren, wie zum Beispiel bei der Einführung unseres Klientenverwaltungsprogramms. Zurzeit engagiert sich der Vorstand zusammen mit der Institutsleitung besonders hinsichtlich der Vernetzung unseres Vereins mit anderen Vereinen und der Möglichkeiten beruflicher Eingliederung von Menschen mit Autismus.